Ein Stock mit einem Pferdekopf daran – simpler geht Spielzeug kaum. Und trotzdem hat es das Steckenpferd geschafft, sich über Jahrhunderte zu halten und in den letzten Jahren sogar ein zweites Leben als Sportgerät zu bekommen. Wo Kinder früher damit durch den Garten galoppiert sind, werden heute Parcours abgesteckt, Dressuraufgaben geritten und Turniere veranstaltet.
Damit stellt sich für Eltern eine ganz praktische Frage: kaufen oder selber machen? Beides hat gute Argumente, und die Antwort hängt davon ab, wofür das Pferd gedacht ist. In diesem Ratgeber klären wir, worauf es beim Kauf ankommt – Stablänge, Kopfform, Verarbeitung –, wie ein selbstgenähtes Steckenpferd Schritt für Schritt entsteht und welches Zubehör wirklich Sinn ergibt. Bei TOBS in Halle gehört Hobby Horsing zu den Themen, bei denen sich die Nachfrage in den letzten Jahren spürbar verändert hat.
Das Wichtigste in Kürze
- ✓ Die Stablänge entscheidet: Er sollte etwa bis zur Hüfte des Kindes reichen – zu lang stolpert, zu kurz zwingt in eine krumme Haltung
- ✓ Fest sitzender Kopf ist Pflicht: Wackelt die Verbindung, hält das Pferd keine Saison durch
- ✓ Selbermachen lohnt sich für Individualität und als gemeinsames Projekt – gekaufte Pferde sind haltbarer und turniertauglicher
- ✓ Ab etwa 3 Jahren als Spielzeug, ab 5 bis 6 Jahren wird daraus oft ernsthaftes Hobby Horsing
- ✓ Zubehör macht den Unterschied: Halfter, Pflegeset und Hindernisse verwandeln ein Spielzeug in eine ganze Spielwelt
Vom Kinderzimmer zum Sportgerät
Das Steckenpferd ist eines der ältesten Spielzeuge überhaupt und taucht in Darstellungen seit dem Mittelalter auf – ein Stab, ein Kopf, fertig. Der englische Begriff hobby horse ist so eng mit dem Gegenstand verbunden, dass er im Englischen zum Wort für „Steckenpferd" im übertragenen Sinn wurde: das Lieblingsthema, das man immer wieder reitet.
Neu ist, was in den letzten Jahren daraus geworden ist. In Finnland entstand aus dem Spielzeug ein eigener Sport mit Regeln, Wertungsrichtern und Meisterschaften: Dressuraufgaben und Springparcours werden nachgeritten, samt korrekter Gangarten und Sprungtechnik. Was von außen skurril wirkt, ist sportlich anspruchsvoll – wer eine Runde über 60 Zentimeter hohe Hindernisse springt, ist danach außer Atem. Wie dieser Sport im Detail funktioniert und warum er vor allem Mädchen zwischen acht und vierzehn begeistert, haben wir in einem eigenen Beitrag über den Trendsport aus Finnland beschrieben.
Kaufen oder selber machen?
| Kriterium | Selbst genäht | Gekauft |
|---|---|---|
| Kosten | Gering, wenn Stoffreste vorhanden sind | Höher, dafür sofort einsatzbereit |
| Zeitaufwand | 2 bis 4 Stunden inklusive Trocknen | Keiner |
| Individualität | Sehr hoch – Farbe, Mähne, Name, alles frei | Begrenzt auf das Sortiment, dafür mit Zubehör erweiterbar |
| Haltbarkeit | Schwankend – hängt an der Kopf-Stab-Verbindung | In der Regel deutlich robuster |
| Turniertauglichkeit | Möglich, wenn stabil gearbeitet | Ja, auf Belastung ausgelegt |
| Nähkenntnisse nötig | Grundkenntnisse reichen, Handnähen genügt | Keine |
| Als gemeinsames Projekt | Ideal – das Kind gestaltet mit | Nicht gegeben |
Unsere ehrliche Einschätzung: Wenn ein Kind gerade erst Feuer gefangen hat und ausprobieren möchte, ist ein selbstgemachtes Pferd ein wunderbarer Einstieg – und das Basteln ist Teil des Erlebnisses. Wird daraus ein festes Hobby mit Parcours im Garten und Sprüngen über Hindernisse, kommt man um ein gekauftes Pferd meist nicht herum. Die Belastung an der Verbindung zwischen Kopf und Stab ist beim Springen erheblich, und genau dort geben selbstgemachte Modelle zuerst nach.
Steckenpferd kaufen: Worauf Sie achten sollten
- Die Kopf-Stab-Verbindung: Der wichtigste Punkt überhaupt. Der Stab muss tief im Kopf sitzen und fest verschraubt oder verklebt sein. Wackelt er beim Prüfen schon leicht, wird er es nach zwei Wochen deutlich tun
- Das Stabmaterial: Holz ist schwerer, aber stabiler und fühlt sich wertiger an. Kunststoffstäbe sind leichter und für kleine Kinder handlicher, brechen aber eher
- Die Füllung des Kopfes: Fest gestopft, nicht schwammig. Ein zu weicher Kopf verliert schnell die Form und sieht nach kurzer Zeit traurig aus
- Abnehmbares Zaumzeug: Lässt sich das Halfter abnehmen, kann es gewaschen und später gegen andere Varianten getauscht werden – ein unterschätztes Komfortmerkmal
- Die Mähne: Sie soll kämmbar sein, ohne sich sofort zu verfilzen. Eingenähte Mähnen halten länger als aufgeklebte
- Sichere Augen: Aufgestickte oder aufgenähte Augen sind Knopfaugen vorzuziehen, besonders bei Kindern unter drei Jahren
| Körpergröße des Kindes | Empfohlene Stablänge | Hinweis |
|---|---|---|
| bis ca. 100 cm | ca. 60–70 cm | Kurz und leicht – wichtig, damit das Kind nicht stolpert |
| 100–120 cm | ca. 70–85 cm | Der gängigste Bereich für Kindergarten- und Vorschulkinder |
| 120–140 cm | ca. 85–95 cm | Grundschulalter, hier beginnt oft der sportliche Anspruch |
| über 140 cm | ca. 95–110 cm | Turniergröße – längere Stäbe erlauben sauberere Bewegungsabläufe |
Die praktische Faustregel dazu: Stellen Sie das Pferd neben das stehende Kind. Der Kopf sollte etwa auf Hüfthöhe sein. Ist er deutlich höher, wird das Kind beim Laufen behindert; sitzt er zu tief, muss es sich krumm machen – und genau das führt bei längerem Spielen zu Rückenschmerzen.
💡 Der Test, den Sie im Laden machen sollten
Nehmen Sie das Pferd am Stab und drehen Sie den Kopf vorsichtig hin und her. Er darf sich keinen Millimeter gegen den Stab verdrehen. Dann heben Sie das Pferd am Kopf an – der Stab darf nicht nachgeben. Diese zwei Handgriffe sagen mehr über die Haltbarkeit aus als jede Produktbeschreibung, und sie funktionieren nur vor Ort. Bei uns in der Großen Steinstraße dürfen Sie das gern ausgiebig tun.
Steckenpferd selber machen: Anleitung
Ein selbstgenähtes Steckenpferd braucht keine Nähmaschine und keine Vorkenntnisse. Diese Materialien reichen:
| Material | Menge | Alternative |
|---|---|---|
| Stoff für den Kopf | ca. 40 × 60 cm | Eine dicke Socke oder ein alter Kissenbezug – der Klassiker unter den Sparlösungen |
| Rundstab aus Holz | Ø 2,5–3 cm, Länge nach Tabelle | Besenstiel, gekürzt und abgeschliffen |
| Füllwatte | ca. 300–400 g | Stoffreste, alte T-Shirts klein geschnitten |
| Wolle für die Mähne | 1 Knäuel | Fleecestreifen oder Kunstfell |
| Filzreste | Für Ohren und Augen | — |
| Kordel oder Band | ca. 1,5 m | Für Halfter und zum Abbinden am Stab |
- 1Kopfform zuschneiden: Zeichnen Sie eine Pferdekopf-Silhouette auf Papier, übertragen Sie sie doppelt auf den Stoff und schneiden Sie mit rundum 1 cm Nahtzugabe aus.
- 2Details anbringen, solange flach: Augen und Nüstern jetzt aufnähen – später ist das deutlich mühsamer. Filz statt Knöpfe verwenden, dann ist das Pferd auch für jüngere Geschwister ungefährlich.
- 3Mähne einlegen: Wollstränge zwischen die rechts auf rechts liegenden Stoffteile legen, sodass sie nach innen zeigen – beim Wenden hängen sie später außen.
- 4Zusammennähen und wenden: Rundherum nähen, die untere Halsöffnung offen lassen. Dann wenden und die Nähte glattstreichen.
- 5Fest ausstopfen: Erst Nüstern und Ohren, dann den Rest. Fester stopfen, als es sich richtig anfühlt – die Watte setzt sich.
- 6Stab einsetzen – der kritische Schritt: Den Stab mindestens 15 cm tief in den Kopf schieben, dann den Stoff mit Kordel mehrfach fest umwickeln und verknoten. Wer sichergehen will, schraubt zusätzlich von innen eine kleine Holzschraube durch Stoff und Stab.
- 7Halfter anlegen: Aus Band oder Kordel eine einfache Schlaufe um Nase und Hinterkopf legen – fertig ist das Zaumzeug.
Der sechste Schritt entscheidet über die Lebensdauer. Wer nur den Stoff um den Stab bindet, ohne ihn tief genug einzuschieben, bekommt nach der ersten Sprungrunde ein wackelndes Pferd. Material zum Verzieren, Filz und Bastelkordel finden Sie in unserer Kreativabteilung; die passenden Rundstäbe gibt es im Baumarkt meist meterweise.
Zubehör: Was wirklich Sinn ergibt
Das Steckenpferd ist der Anfang – erst mit Zubehör entsteht die Spielwelt, die Kinder über Jahre trägt. Bei Tobs setzen wir dabei auf byASTRUP, eine dänische Marke, deren Steckenpferde und Zubehör in über dreißig Ländern verkauft werden.
| Zubehör | Wofür? | Wann sinnvoll? |
|---|---|---|
| Pflegeset | Bürsten, Striegel, Kamm, teils Shampoo und Spray | Sofort – das Pflegen ist für viele Kinder der halbe Spielspaß |
| Futterset | Apfel, Karotte, Salatblätter aus Holz | Für jüngere Kinder, die Rollenspiel lieben |
| Zusätzliches Halfter oder Trense | Wechseln des Looks, Waschen des Originals | Wenn das Pferd täglich im Einsatz ist |
| Hindernisse | Sprungstangen und Ständer für den Parcours | Sobald aus dem Spiel Sport wird, meist ab 6 Jahren |
| Stylinghocker | Hält das Pferd fest, während die Mähne frisiert wird | Für Kinder, die intensiv mit Mähne und Frisuren arbeiten |
Ein Beispiel aus unserem Sortiment, das gut zeigt, wie durchdacht dieses Zubehör inzwischen ist: Der Stylinghocker von byASTRUP (99,95 €) bietet Platz für zwei Steckenpferde. Der Stab wird durch eine Öffnung gesteckt, ein Gummirand hält ihn fest, sodass der Kopf beim Frisieren nicht wackelt. Darunter liegt eine Ablage für Pflegetasche und Bürsten. Das klingt nach Luxus – ist aber genau das, was Kinder brauchen, die stundenlang Mähnen flechten wollen, ohne dass ihnen das Pferd wegkippt.
Hobby Horsing bei Tobs
Steckenpferde und Zubehör von byASTRUP – zum Anfassen und Prüfen im Laden in Halle.
Zum Hobby-Horsing-SortimentAb welchem Alter?
| Alter | Wie gespielt wird | Worauf achten? |
|---|---|---|
| 2–3 Jahre | Herumlaufen, Kuscheln, Füttern | Kurzer Stab, keine Knopfaugen, freie Fläche zum Laufen |
| 3–5 Jahre | Rollenspiel: Reiterhof, Pflegen, Stall bauen | Pflegeset und Futterset sind hier am wirkungsvollsten |
| 5–8 Jahre | Erste Parcours, Springen über niedrige Hindernisse | Stabile Verbindung wird jetzt wichtig, Stablänge prüfen |
| Ab 8 Jahren | Ernsthaftes Hobby Horsing, Dressur, Turniere | Turniertaugliches Pferd, ggf. Vereinsanschluss |
Ein Hinweis, der in der Praxis wichtiger ist als jede Altersangabe: Steckenpferde brauchen Platz. Im Wohnzimmer zwischen Couchtisch und Regal wird jeder Galopp zur Gefahr für Vasen und Schienbeine. Draußen dagegen entfaltet das Spiel seine ganze Wirkung – und Bewegung an der frischen Luft ist ohnehin der eigentliche Gewinn. Wenn Sie ohnehin überlegen, was den Garten sonst noch bespielbar macht, lohnt ein Blick auf unser Sortiment für draußen mit Wurfscheiben, Kreide und Großspielen.
Pflege: So bleibt das Pferd in Form
- Mähne regelmäßig kämmen: Verfilzte Wolle lässt sich kaum retten. Ein grober Kamm und etwas Geduld reichen völlig
- Kopf nicht in die Waschmaschine: Die Füllung verklumpt und trocknet innen kaum. Flecken besser mit feuchtem Tuch und etwas Seife punktuell behandeln
- Halfter separat waschen: Wenn abnehmbar, geht es mit der Handwäsche problemlos
- Nach dem Regen trocknen: Nass eingeräumte Pferde riechen nach zwei Tagen unangenehm. Stehend an der Luft trocknen lassen
- Verbindung nachziehen: Einmal pro Saison prüfen, ob der Kopf noch fest sitzt – nachbinden ist einfacher als reparieren
Häufig gestellte Fragen
Wie lang muss der Stab eines Steckenpferds sein?+
Als Faustregel sollte der Pferdekopf beim stehenden Kind etwa auf Hüfthöhe sein. Für Kinder bis 100 cm Körpergröße sind das rund 60 bis 70 cm Stablänge, bei 120 bis 140 cm etwa 85 bis 95 cm. Turnierpferde für größere Kinder haben oft Stäbe um 100 cm. Zu lange Stäbe führen zum Stolpern, zu kurze zu einer krummen Haltung.
Wie mache ich ein Steckenpferd selbst?+
Sie brauchen Stoff (oder eine dicke Socke), Füllwatte, Wolle für die Mähne, Filzreste, einen Rundstab und Kordel. Kopfform doppelt zuschneiden, Augen und Nüstern flach aufnähen, Mähne einlegen, zusammennähen, wenden, fest ausstopfen und den Stab mindestens 15 cm tief einschieben. Anschließend den Stoff mehrfach fest um den Stab wickeln und verknoten – dieser letzte Schritt entscheidet über die Haltbarkeit.
Ab welchem Alter eignet sich ein Steckenpferd?+
Als Spielzeug ab etwa drei Jahren – dann mit kurzem Stab und ohne Knopfaugen. Rollenspiel mit Pflegen und Füttern begeistert besonders zwischen drei und fünf. Ab etwa sechs Jahren entstehen erste Parcours, und ab acht wird daraus bei vielen Kindern ernsthaftes Hobby Horsing mit Dressur und Springen.
Kann man ein selbstgemachtes Steckenpferd auf Turnieren einsetzen?+
Grundsätzlich ja – in der Hobby-Horsing-Szene sind selbstgenähte Pferde sogar hoch angesehen, weil sie individuell sind. Entscheidend ist die Stabilität: Beim Springen wirken erhebliche Kräfte auf die Kopf-Stab-Verbindung. Wer turnieren möchte, sollte den Stab tief einsetzen und zusätzlich verschrauben.
Kann man ein Steckenpferd waschen?+
Den Kopf besser nicht in der Maschine – die Füllung verklumpt und trocknet innen nur sehr langsam. Flecken punktuell mit feuchtem Tuch und etwas Seife behandeln, danach an der Luft trocknen lassen. Abnehmbares Zaumzeug lässt sich dagegen problemlos von Hand waschen, was ein gutes Argument für Modelle mit abnehmbarem Halfter ist.
Was kostet ein gutes Steckenpferd?+
Einfache Modelle beginnen im niedrigen zweistelligen Bereich, turniertaugliche Pferde von Markenherstellern liegen deutlich darüber. Der Preis erklärt sich vor allem über die Verarbeitung der Kopf-Stab-Verbindung und die Qualität von Füllung und Mähne. Wer regelmäßig springt, spart mit einem stabileren Modell auf Dauer Geld – und Ärger. Wir beraten Sie dazu gern persönlich im Laden.